Bohrung für Deutschlands größtes Erdwärme-Wohnungsprojekt in Köln gestartet
Niehl, den 07.03.2007 - 16:56 Uhr - geschrieben von rkr
Köln-Niehl. Am heutigen Mittwoch morgen gegen 8:30 Uhr begannen die Bohrarbeiten für das bislang größte Erdwärmeprojekt in Deutschland. Bauherr und Initiator ist die Kölner Wohnungsbaugesellschaft GAG Immobilien AG, die auf dem Areal einer ehemaligen Siemens-Maschinenfabrik in Köln-Niehl insgesamt 636 Wohnungen neu errichten will.
Als Ehrengast erschien die nordrhein-westfälische Ministerin für Wirtschaft, Energie und Mittelstand Christa Thoben (CDU), um gemeinsam mit den beiden GAG-Vorstandsmitgliedern Günter Ott und Uwe Eichner den offiziellen Startschuss zu geben. „Wir sind ein wenig stolz, dass Kölns größte Wohnungsgesellschaft 383 attraktive Wohnungen und Häuser in Energiesparbauweise auf dem ehemaligen Siemensgelände errichtet, erklärte GAG-Vorstand Ott.

"Das Projekt ist in mehrfacher Hinsicht innovativ und zukunftsweisend,“ so Ott weiter: Insgesamt bohrt das Unternehmen 21 Brunnen, die über moderne Wärmepumpentechnologie dafür Sorge trägt, dass die thermische Nutzung des vorhandenen Grundwassers, der kostenlosen Umweltwärme, für die Eigentümer und Mieter eine Energiekosteneinsparung von bis zu 50 Prozent bringt, verspricht der Bauherr.
Innovative Energietechnologie, die sich rechnet
Die Mehrkosten sollen sich nach Ansicht von Fachleuten bereits in sieben bis zehn Jahren amortisieren. Dies vermindert den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um rund 30 Prozent. „Wir wollen damit mehr als ein Zeichen setzen und Vorbild auch bei künftigen Bauvorhaben sein“, so die Verantwortlichen weiter. Für GAG-Vorstand Günter Eichner ist das Projekt nicht allein wegen der Vielzahl von Eigenheimen (50), Eigentumswohnungen (100) und öffentlich geförderten Mietwohnungen (233) von bundesweiter Bedeutung. Es gilt auch als Vorreiter für die Umsetzung größerer Bauvorhaben mit umweltschonender Geothermie-Technologie. Der Bauherr legte bei seinen Planungen viel Wert auf die Planungsqualität, das Freiraumkonzept und die architektonische Ausführung (z.B. Gebäudehülle und Innenarchitektur gelegt). Die Häuser werden nach dem Standard „KFW-Energiesparhäuser 60“ errichtet. Das heißt, der Jahresenergiebedarf liegt bei unter 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und sorgt damit für äußerst geringe Energiekosten. „Die Energiegewinnung mittels Wärmepumpen ist bereits seit 40 Jahren im Einsatz. Diese regenerative Energienutzung gewann in den letzten Jahren durch die Energieverteuerung von Öl und Gas zunehmend an Dynamik“, erklärte Dieter Schröder vom Wärmepumpen-Marktplatz NRW. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 44.000 Wärmepumpen verkauft. Das entspricht einer Steigerung von 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bundesweit gibt es derzeit insgesamt 170.000 Wärmepumpenanlagen.
Im Kölner Norden wird eine Lücke geschlossen
Bis Ende 2009 sollen 800 bis 1.000 neue Bewohner ihr Quartier im Neubauprojekt „Niehler-WohnArt: Veedel mit Hätz“ beziehen. „Der größte Teil des ruhenden Verkehrs (parkende Autos) wird unter der Erde verschwinden, erläuterte Ott, „so dass ruhige, qualitätsvolle Freiräume als „Bürger-Boulevard“ sowie Spielstraßen entstehen. Im Innenbereich laden Wege und Grünflächen zum Flanieren, zum Treffen, zum Verweilen ein – frei vom Autoverkehr.“ Mit der Konversion des ehemaligen Werksgeländes der Firma Siemens ergibt sich die Chance, unter Einbeziehung der anstehenden Neubebauung des südlich angrenzenden GAG-Geländes, ein rund 3,2 Hektar umfassendes Gebiet in seiner zentralen Lage innerhalb des Stadtteils neu zu überplanen und einer Wohnnutzung zuzuführen. Da wo Anfang 1900 bis vor kurzer Zeit Maschinen hergestellt wurden, werden bald Familien, Paare und Singles wohnen. Die verschiedenen Gebäude soll in drei- bis viergeschossiger Bauweise errichtet werden. Das denkmalgeschützte Gebäude Amsterdamer Str. 191 bleibt erhalten. Die Architekturbüros HOME (Hoffmann und Mehlich, Pulheim) und Meuter (Köln) zeichnen für die Entwürfe und die Planung verantwortlich.
Das Neubauprojekt umfasst ein Investitionsvolumen in Höhe von 65 Millionen Euro. Insgesamt hat die GAG durch unmittelbar an das Siemensgelände angrenzende Abriss/Neubauvorhaben (Ruhrorter Str./Reeser Str./Hamborner Str. Emmericher Str. weitere 253 attraktive öffentlich geförderte Wohnungen bereits fertig gestellt. Die Gesamtinvestition für alle 636 Wohneinheiten beträgt rund 100 Millionen Euro.
Foto: GAG Immobilien AG